Omega- 3 Stille Entzündungen

In meinem Artikel „Schwelbrand im Körper“, der in der Zeitschrift „Deutsche Heilpraktiker“ 2017 erschienen ist, geht es um die Gefahren von stillen Entzündungen im Körper und wie Omega-3-Fettsäuren die Entzündungsneigung der Patienten verbessern können.

„Stille Entzündungen“: Unterschiede zu „richtigen“ Entzündungen

Klassische Entzündungszeichen sind Rötungen, Schwellungen, Wärme, Schmerzen und eingeschränkte Funktionen.

Symptomatische Entzündungen können auch anhand von Blutuntersuchungen ermittelt werden. Die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) erhöht sich dann auf über 10 mm/h und der CRP-Wert (c-reaktives Protein) auf über 5mg/dl.

Stille Entzündungen können entweder eine Vorstufe oder eine nicht vollkommen ausgeheilte Form einer symptomatischen Entzündung sein. Es liegen dann keine subjektiven oder objektiven Entzündungszeichen vor, sie ist also symptomlos.

Deswegen wird sie häufig nicht bemerkt und folglich auch nicht behandelt. Dies kann zu ernsthaften Krankheiten führen.

Folgen stiller Entzündungen

Ein Großteil der heutigen Zivilisationskrankheiten wird durch stille Entzündungen begünstigt. Dazu zählen Diabetes mellitus, Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz, psychische Krankheiten, COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung), Allergien, Arteriosklerose, nicht-alkoholische Fettleber, chronische Schmerzen und vorschnelle Alterung und Degeneration.

Wenn die Ursachen der stillen Entzündungen also rechtzeitig identifiziert und behandelt werden, wird den Patienten viel Leid erspart und der Ausbruch einer dieser Erkrankungen verhindert.

Ursachen stiller Entzündungen

Hauptursachen sind ein Überkonsum an Omega-6-Fettsäuren und Übergewicht. Ein hoher AA/EPA-Quotient fördert Entzündungen. Dieser setzt sich aus zu hohem Omega-6- und zu geringem Omega-3-Fettsäure-Konsum zusammen.

Da Fettgewebe nicht nur Energiespeicher, sondern zugleich auch eine höchst aktive Drüse ist (produziert bestimmte Hormone wie z.B. Östrogen und setzt Entzündungsbotenstoffe frei), fördert Übergewicht ebenfalls stille Entzündungen.

Eine Studie mit 262 Patienten, die in vier BMI-Kategorien (<25, 25-30, 30-40, >40) eingeteilt wurden, fand heraus, dass es eine positive Korrelation zwischen BMI und den Entzündungsmarkern CRP und IL-6 gibt. Das Herzinfarkt- und Diabetes-Risiko für Übergewichtige ist also erhöht.

Besonders gefährlich ist vor allem viszerales Fett (Bauch- bzw. Eingeweidefett).

Aber auch Kachexie, Anorexie oder Bulimie sowie Operationen oder andere physische Traumata fördern Entzündungen.

Blutuntersuchung: Entzündungsmarker und AA/EPA-Quotient

Ob Patienten an einer stillen Entzündung leiden, lässt sich durch die Beurteilung der Entzündungsmarker relativ leicht herausfinden. Viele Ärzte schenken den Entzündungsmarkern aber leider keine Beachtung. Eine mögliche stille Entzündung liegt vor, wenn der BSG mindestens 10 mm/h beträgt oder CRP-Wert bei über 1 mg/dl liegt (in der Schulmedizin erst bei über 5 mg/dl).

AA/EPA-Quotient

Therapeuten, die ganzheitlich arbeiten, können seit kurzem auch eine Fettsäure-Analyse verwenden. Hierbei werden Omega-3-, Omega-6-, Omega-9-Fettsäure-Werte und Werte der gesättigten und Transfettsäuren gemessen.

Außerdem kann der AA/EPA-Quotient bestimmt werden. „AA“ ist die wichtigste entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäure „Arachidonsäure“ und „EPA“ die wichtigste entzündungshemmende Omega-3-Fettsäure „Eicosapentaensäure“.

Es wird also das Verhältnis dieser beiden Fettsäuren zueinander bestimmt; je geringer dieses ist, desto besser hinsichtlich der entzündungshemmenden Wirkung. Das AA/EPA-Verhältnis ist ein guter Marker für die Entzündungsneigung des Patienten, zeigt Entzündungen allerdings nicht direkt an.

Der normale bzw. ideale AA/EPA-Quotient

Optimalerweise sollte der Quotienten höchstens 2,5 sein. Vermutlich hatten die meisten Menschen vor etwa 200 Jahren einen solchen Wert. Steinzeitmenschen damals oder die Inuit heutzutage, die sich traditionell ernähren, haben einen Quotient von unter 1. Folglich treten bei ihnen so gut wie nie Rheuma oder Herzinfarkte auf.

Die Durchschnittswerte meiner Patienten (40-80 Jahre alt) betragen 10-15, bei Jugendlichen sogar über 30. Diese Werte sind definitiv nicht ideal, denn je höher der Quotient ist, desto höher ist auch das Risiko für stille und symptomatische Entzündungen.

Prävention und Therapie

Gewichtsreduktion sowie regelmäßige körperliche Betätigung können die Entzündungsmarker senken und folglich vor stillen und symptomatischen Entzündungen schützen. Das Übergewicht zu reduzieren mindert das Krebs-, Diabetes- und kardiovaskuläre Erkrankungs-Risiko.

Auch Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend.

Insbesondere die marinen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Hierfür spielt die richtige Dosierung eine wichtige Rolle.

Mit Hilfe einer Fettsäure-Analyse und erneuten Kontrolle nach drei Monaten sollte der AA/EPA-Quotient für präventive Zwecke auf unter 5 gemessen werden. Bei bereits ausgebrochener Erkrankung auf unter 2,5.

Auf Grund geringer toxischer Werte sind hochwertige Fischöl-Präparate zur Einstellung des optimalen Quotienten zu empfehlen. Es sollten mindestens 2 g Omega-3-Fettsäuren täglich eingenommen werden; etwa 15 konventionelle Fischölkapseln oder 1 EL Fischöl.

Fazit

Selbst wenn stille Entzündungen zunächst nicht schmerzen und nicht wahrgenommen werden, sind sie sehr gefährlich und sollten nicht ignoriert werden.

Durch ausreichend Omega-3-Fettsäuren und Senkung des AA/EPA-Quotienten, können fatale Gesundheitsrisiken beim Patienten gemindert werden.

ERRATA

Leider haben sich im Artikel zwei Fehler eingeschlichen:

  • Nicht jeder 2. stirbt an Schlaganfall, sondern es muss heißen: Jeder 2. stirbt an Herzinfarkt oder Schlaganfall.
  • In der Passage mit der Beeinflussung der Steifigkeit darf es natürlich nicht heißen „Gelenke“, sondern „Gefäße“.
Quelle: DHZ – Deutsche Heilpraktiker Zeitschrift