Was sind allergische Reaktionen?

In meinem Artikel „Vermeidung atopischer Krankheiten durch Omega-3-Zufuhr in der Schwangerschaft“, der im Februar 2018 in der Zeitschrift „Erfahrungsheilkunde“ erschienen ist, geht es um eine mögliche Prävention für allergische Reaktionen bei Kindern durch eine angemessene Omega-3-Versorgung in der Schwangerschaft.

Allergische Reaktionen, auch atopische Krankheiten oder Atopien genannt, sind Überempfindlichkeitsreaktionen, die durch einen Kontakt mit normalerweise harmlosen Stoffen ausgelöst werden. Das Immunsystem erkennt solche Substanzen, die in der Umwelt oder Nahrung vorkommen, als feindliche Erreger und bekämpft diese. Zu den wichtigsten atopischen Krankheiten zählen:

  • Neurodermitis (atopisches Ekzem)
  • allergisches Asthma bronchiale
  • allergische Bindehautentzündung
  • Heuschnupfen

Nicht nur die Genetik hat großen Einfluss auf allergische Reaktionen und deren immer häufigeres Vorkommen, sondern auch Umweltfaktoren wie insbesondere die Ernährung.

Eine große Untersuchung mit über einer Million Kinder aus etwa hundert Staaten zeigte deutliche Zusammenhänge zwischen der Ernährung und Atopien auf. Das schwere Asthma-Risiko war 11 % niedriger, wenn mindestens drei Portionen Früchte wöchentlich verzehrt wurden. Bei einem Fast Food Konsum von mindestens drei Mal wöchentlich ergab sich hingegen ein 39 % höheres Risiko.

Omega-3-Fettsäuren in der Schwangerschaft

Omega-3 kann bei Neurodermitis hilfreich sein, wie eine Übersichtsarbeit zeigt. Können Omega-3-Fettsäuren demnach auch präventiv für atopische Krankheiten eingesetzt werden, insbesondere während der Schwangerschaft?

Eindeutige Studien zu Omega-3-Konsum in der Schwangerschaft zeigen bereits, dass das Frühgeburten-Risiko deutlich gemindert wird, die Gestationsdauer länger und das Geburtsgewicht höher ist. Zusätzlich ist das perinataler Tod-Risiko des Kindes und ebenfalls das postpartale Depressions-Risiko der Mutter niedriger. Außerdem haben einjährige Kinder ein deutlich verbessertes Wortverständnis und -produktion.

Aufgrund dieser Erkenntnisse empfehlen die offiziellen gynäkologischen Leitlinien eine DHA-Einnahme (marine Omega-3-Fettsäure) in der Schwangerschaft von 200 mg am Tag. Konkret bedeutet dies; entweder 150 g Makrelenfilet, 6 Fischölkapseln (mit 500 mg natürlichem Fischöl) oder 1 Teelöffel natürliches Fischöl täglich zu konsumieren.

Wegen der hohen Schwermetallbelastung, Pestiziden, Kunststoffen usw. im Meer ist allerdings von täglichem Fischkonsum eher abzuraten. Besonders für Krebspatienten, Schwangere oder Menschen mit neurologischen oder psychischen Erkrankungen. Alternativ zu Fisch empfiehlt sich dann ein qualitativ hochwertiges und natürliches Fischöl, das zertifiziert schadstoffbereinigt ist.

Omega-3 und allergische Reaktionen – Studienlage

Eine Studie, die zwölf Monate alte Kinder untersuchte und deren Mütter in der Schwangerschaft Omega-3 konsumiert hatten, fand heraus, dass das Risiko für allergische Reaktionen bei den Kindern um ein Drittel bis zur Hälfte reduziert wird. Genauer; das relative Risiko für einen positiven Pricktest lag bei 0,69, das Vorhandensein einer Nahrungsmittelallergie bei 0,59 und das Vorliegen von Neurodermitis bei 0,53.

In einer dänischen Studie wurde 736 Schwangeren ab der 24. Schwangerschaftswoche Oliven- oder Fischöl (mit 2,4 g Omega-3) verabreicht. Als die Kinder drei Jahre alt waren, litten 23,7 % der Kinder aus der Olivenölgruppe an Asthma, aber nur 16,9 % aus der Fischölgruppe – das Asthma-Risiko war also um ein Drittel niedriger.

Betrachtete man innerhalb der Gruppen die Frauen mit einem niedrigen Omega-3-Spiegel, ergaben sich noch deutlichere Ergebnisse. Hier lag ein 34,1 %-iges Asthma-Risiko in der Olivenölgruppe und ein 17,5 %-iges Risiko in der Fischölgruppe vor. Bei Frauen mit einem erhöhten genetischen Risiko war das Ergebnis ähnlich: 37,8 % der Kinder aus der Olivenölgruppe und nur 15,2 % aus der Fischölgruppe waren von Asthma betroffen – das Risiko war hier also nun fast um zwei Drittel reduziert.

Asthma tritt sehr selten während des ersten Lebensjahres und ab dem vierten Lebensjahr auf. Häufig entsteht Asthma im zweiten bis dritten Lebensjahr des Kindes. Hoher Fischöl-Konsum in der Schwangerschaft kann also das Risiko für die Kinder deutlich vermindern, später Asthmatiker zu werden. Die verabreichten Dosen (mehr als 1 Esslöffel Fischöl) übersteigen in der Studie allerdings deutlich die in den Leitlinien empfohlene Dosierung von nur etwa 1 Teelöffel. Hier lautet also die Devise: Viel hilft viel!

Eine weitere Studie zeigt Langzeiteffekte durch die frühe Asthma-Vermeidung durch Fischöl-Konsum in der Schwangerschaft. Ab der 30. Schwangerschaftswoche bis zum Ende der Schwangerschaft bekamen 553 schwangere Frauen 2,7 g EPA/DHA (marine Omega-3-Fettsäuren) täglich. Bei 8,08 % der 16-jährigen Kinder aus der Placebogruppe entwickelte sich Asthma, aber nur bei 3,04 % aus der Fischölgruppe. Das allergische Asthma-Risiko in der Pplacebogruppe lag bei 5,88 %, in der Omega-3-Gruppe hingegen bei nur 0,76 % und konnte somit auf ca. ein Achtel gesenkt werden.

Allergien – Volkskrankheit Nr. 1

Allergische Erkrankungen zählen in Deutschland zu der größten Volkskrankheit. Seit über zehn Jahren leiden etwa 14,8 % der Bevölkerung beispielsweise an allergischem Heuschnupfen. Könnte diesem hohen Niveau entgegengesteuert werden, wäre dies ein großer Beitrag für die Volksgesundheit.

Erhielten atopische schwangere Frauen im Rahmen einer klinischen Studie 3,7 g EPA/DHA (knapp 2 Esslöffel Fischöl), war die Wahrscheinlichkeit für einjährige Kinder im Hauttest allergisch auf Eier zu reagieren um etwa zwei Drittel reduziert, die Wahrscheinlichkeit für Neurodermitis war sogar 90 % geringer.

In einer skandinavischen Studie wurden diese Ergebnisse bestätigt. 145 Schwangere mit einem erhöhten Risiko für Allergien beim Kind bekamen 2,7 g marine Omega-3-Fettsäuren (mehr als 1 Esslöffel Fischöl) ab der 25. Schwangerschaftswoche bis 3,5 Monate nach der Schwangerschaft. 20 % der Kinder aus der Placebogruppe hatten im Alter von sechs Monaten Neurodermitis, aber nur 8 % aus der Omega-3-Gruppe. Waren die Kinder ein Jahr alt, reagierten 31,7 % gegen nur 15,4 % der Kinder auf einen Pricktest gegen irgendein Lebensmittel positiv. In der Omega-3-Gruppe betrug das Risiko für irgendeine Sensibilisierung also weniger als die Hälfte als bei Kindern aus der Placebogruppe.

Evidenzbasiert – Metaanalyse belegt Wirksamkeit

Wenn Metaanalysen eine Therapiewirksamkeit bestätigen, wird dadurch der höchste Evidenzgrad I erreicht.

Im Rahmen einer aktuellen Metaanalyse fanden 9 von 13 Beobachtungsstudien und 5 von 7 randomisierten klinischen Studien heraus, dass eine Omega-3-Gabe vor der Geburt positive Effekte auf mögliche Allergien bei den Kindern hat. Für Neurodermitis ergab sich ein relatives Risiko von 0,53, für irgendeinen positiven Pricktest von 0,68 und eine Sensibilisierung gegen Eier von 0,55 sowie eine Sensibilisierung gegen irgendein Lebensmittel von 0,59. Die Risiken wurden folglich durch eine Omega-3-Gabe halbiert und die Effekte waren hochsignifikant. Somit ist es eindeutig evidenzbasiert, dass Omega-3 in der Schwangerschaft kindliche allergische Reaktionen vermeidet.

Fazit: Omega-3 hilft gegen allergische Reaktionen

Nach dieser Datenlage kann eine Nicht-Gabe von Omega-3 in der Schwangerschaft, insbesondere bei erhöhtem Risiko für allergische Reaktionen wie Asthma, Neurodermitis oder Allergien, als Kunstfehler angesehen werden.

Der Health Claim der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit besagt, dass DHA zur normalen Entwicklung des Gehirns und der Augen beim Fötus und gestillten Säugling beiträgt. Da EPA jedoch entzündungshemmend wirkt, hilft vermutlich gerade die Omega-3-Fettsäure bei allergischen Reaktionen. Außerdem war die Omega-3-Dosierung in den Studien weitaus höher (1-2 Esslöffel pro Tag) als der empfohlene Teelöffel täglich. Der EPA-Anteil in den Studien war zusätzlich höher als der DHA-Anteil.

Es empfiehlt sich die Omega-3-Fettsäuren über ein hochwertiges natürliches Fischöl mit geringen Oxidationswerten (TOTOX-Wert) einzunehmen. Dieses sollte nicht nach Fisch schmecken und kann einfach in die tägliche Nahrung integriert werden. Aus fünfjähriger Erfahrung bei über 1.000 Patienten konnte ich so gute Fettsäurewerte erreichen. Für Vegetarier oder Veganer gibt es mittlerweile eine gute pflanzliche Alternative in Form von Algenöl, für welches die gleichen Kriterien gelten.

Schwangere können so vor Depression und Kinder vor allergischen Reaktionen geschützt werden. Die Einnahme ist einfach und kostengünstig und besitzt eine Nebenwirkungsarmut. Die Möglichkeit einer guten Prävention durch eine angepasste Omega-3-Dosierung sollte Schwangeren nicht vorenthalten werden.

 

Die Quellenangaben der Studien können Sie in dem Originalartikel nachlesen.

 

Quelle: EHK 2018