Die Cholesterin-Frage: Müssen es immer gleich Statine sein?
DR. MED. VOLKER SCHMIEDEL
Erhöhte LDL-Cholesterinwerte gelten als Risikofaktor für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. Der Beitrag macht jedoch deutlich, dass Cholesterin nicht pauschal als „schlecht“ bewertet werden sollte. Es ist ein lebenswichtiger Bestandteil der Zellmembranen und dient außerdem als Ausgangsstoff für Gallensäuren, Steroidhormone und Vitamin D. Entscheidend ist deshalb nicht allein der Laborwert, sondern immer das Gesamtbild des Patienten.
Wann Statine wirklich sinnvoll sind
Besonders klar ist die Situation bei Menschen mit bereits bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung. Nach Herzinfarkt, Schlaganfall oder bei koronarer Herzkrankheit sind Statine ein wichtiger Bestandteil der sekundären Prävention, um weitere Ereignisse zu verhindern. Bei ansonsten herzgesunden Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten reicht der Blick auf die Standard-Laborwerte dagegen nicht aus. Hier sollten Alter, Geschlecht, Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht, Raucherstatus und familiäre Vorbelastung in die Risikoabwägung einbezogen werden. Zur Einordnung nennt der Beitrag Risikorechner wie PROCAM und ARRIBA; in Grenzbereichen kann zusätzlich die Bestimmung des small dense LDL hilfreich sein.
Statine, Nebenwirkungen und die Rolle von Q10
Ein Schwerpunkt des Artikels liegt auf den möglichen Nebenwirkungen klassischer Statine. Beschrieben wird, dass sie nicht nur die Cholesterinbildung hemmen, sondern auch die körpereigene Synthese von Coenzym Q10 blockieren können. Da Q10 für die Energieproduktion in den Mitochondrien benötigt wird, können Muskelschmerzen, Schwäche, Müdigkeit und Erschöpfung begünstigt werden. Dr. Schmiedel berichtet in diesem Zusammenhang, dass bei vielen seiner Statin-Patienten ein Q10-Mangel vorlag und sich Beschwerden nach einer gezielten Ergänzung besserten. Zugleich wird betont, dass Statine nicht grundsätzlich abgelehnt werden sollten, sondern verantwortungsvoll in ein ganzheitliches Therapiekonzept eingebettet werden müssen.
Ernährung als zentraler Hebel
Großen Raum nimmt im Beitrag die Ernährung ein. Empfohlen wird eine vegetarische Vollwertkost mit viel Gemüse, Salaten, Obst und Vollkornprodukten. Nach den im Artikel geschilderten Erfahrungen können sich Cholesterinwerte darunter innerhalb weniger Wochen deutlich verbessern. Positiv eingeordnet werden außerdem fetter Fisch beziehungsweise hochwertige Omega-3-Fettsäuren, da sie das Lipidprofil günstig beeinflussen und zugleich entzündungshemmend wirken. Der Beitrag macht dabei auch deutlich, dass Arteriosklerose nicht einfach eine „Verkalkung“ ist, sondern wesentlich von entzündlichen Prozessen mitbestimmt wird.
Natürliche Ergänzungen mit Augenmaß
Neben der Ernährung werden auch natürliche Optionen vorgestellt. Roter Reis mit Monacolin K wird als wirksame Möglichkeit beschrieben, die der cholesterinsenkenden Wirkung klassischer Statine nahekommen kann. Darüber hinaus nennt der Beitrag Vitalpilze wie Reishi, Shiitake, Cordyceps, Maitake und Agaricus blazei als mögliche Ergänzungen bei erhöhten Blutfettwerten. Gleichzeitig bleibt die Einordnung differenziert: Für diese Ansätze fehlen bislang große hochwertige Endpunktstudien, weshalb sie eine etablierte Statintherapie bei erhöhtem kardiovaskulärem Risiko oder bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht ersetzen können.
Fazit
Der Beitrag plädiert insgesamt für einen differenzierten Umgang mit erhöhten Cholesterinwerten. Nicht jeder erhöhte LDL-Wert macht automatisch eine Statintherapie notwendig. Entscheidend ist das individuelle kardiovaskuläre Risiko. Wo Medikamente angezeigt sind, können sie sinnvoll und wichtig sein; wo Spielräume bestehen, rücken Ernährung, Q10, Omega-3-Fettsäuren und ausgewählte Naturstoffe als ergänzende Bausteine eines ganzheitlichen Konzepts in den Vordergrund.
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Dr. med. Volker Schmiedel