Corona-Virus – wir kommen nicht dran vorbei

„Glaube ist der Vogel,
der das Licht fühlt,
bevor die Sonne aufgegangen ist.“

Rabindranath Tagore, bengalischer Dichter und Philosoph, 1861-1941,
Nobelpreis für Literatur 1913, erster asiatischer Nobelpreisträger

Aufgrund der nachfolgenden Studie, in der Vögel eine wichtige Rolle spielen, bin ich zufällig (es gibt keine Zufälle!) auf dieses schöne Zitat gestoßen. Im Moment befindet sich Deutschland, ja, die ganze Welt in einer Panik. Ich möchte die Corona-Krise nicht schönreden, aber verglichen mit anderen Problemen ist die Corona-Pandemie ein eher kleines Risiko. Wir haben Pandemien an Krebs, Herzinfarkten, Diabetes, Depressionen und Süchten. Ja, es werden tausende und vielleicht sogar zehntausende Menschen an Corona sterben. Aber an den oben genannten Krankheiten sterben jedes Jahr Millionen – und niemand regt sich darüber auf. Warum nicht? Weil wir etwas dagegen tun können. Darum machen sie uns keine Angst. Besser müsste ich sagen: Könnten. Denn wir tun viel zu wenig dagegen. Dagegen haben wir Angst vor einer Krankheit, gegen die wir nichts tun können. So wird es uns jedenfalls eingeredet. Solange es keine Medikamente und keinen Impfstoff dagegen gibt, können wir eben nichts dagegen tun. Unten werden wir sehen, dass wir sehr wohl etwas dagegen tun können. Was uns so irritiert ist der Kontrollverlust durch die angeblich fehlenden Maßnahmen gegen das Virus. Ich halte die Angst vor dem Virus für schlimmer als die reale Gefahr durch das Virus – die zweifellos vorhanden ist, aber anhand der anderen Risiken für mich völlig überbewertet wird. Daher möchte ich das optimistische Zitat von Tagore der Angst entgegenstellen.

Wovor sollten wir Angst haben? Jeden Tag bekommen wir Meldungen, wie viele Neuerkrankte es bei Corona jeden Tag gibt, über jeden einzelnen Toten in Deutschland wird berichtet, wir sehen Bilder von leergekauften Regalen und von geschlossenen Grenzen.

Ich habe das mal auf eine ganz andere Gefahr übertragen. Laut verschiedenen Schätzungen (im Gegensatz zu Corona haben wir keine genauen Zahlen) sterben in Deutschland Jahr für Jahr zwischen 8000 und 25.000 Menschen nicht etwa an einer gefährlichen Krankheit, sondern an den Nebenwirkungen von zugelassenen Medikamenten. Ich habe das mal umgerechnet: Das sind 22 bis 68 Tote an jedem Tag. Stellen Sie sich einmal vor, wenn das in den Nachrichten berichtet würde!

Tagesschau: Heute schon wieder 42 Tote durch Arzneimittel!

Heute-Journal: Allein in Bayern heute schon 12 Tote durch Medikamentennebenwirkungen – Der Ministerpräsident fordert umgehend mehr Warnhinweise seitens der Pharma-Firmen

Das Bundesgesundheitsministerium schickt Berater in die Kitas: 10 Paracetamol-Tabletten sind für Kleinkinder tödlich!

Deutsches Ärzteblatt: Vorsicht bei Rheumamitteln – jedes Jahr allein 1000-2000 Tote nur durch NSAR

Pharmakologen der deutschen Universitäten: Die Medikamentenlisten in allen Altersheimen sollten von unabhängigen Apothekern/Pharmakologen durchforstet werden – bei mehr als 5 Medikamenten täglich steigen die Risiken für alte Menschen exponentiell an.

Das wäre mal sinnvoll! Die Fakten sind real, die Schlagzeilen aber fiktiv. Keine Sorge: Dazu wird es aber nicht kommen, auch wenn es wünschenswert wäre.

Nährstoffe bei Virusinfekten

In der ganzen Diskussion um Corona geht es immer nur um das Virus. Ja, es wird berichtet, dass das die schweren Verläufe und Todesfälle hauptsächlich bei den älteren Menschen und solchen mit Vorerkrankungen auftreten. Wir dürfen davon ausgehen, dass immunkompetente Menschen gar nicht krank werden oder die Erkrankung nur blande verläuft. Wenn wir schon nichts gegen das Virus tun können, warum tun wir dann nicht einmal etwas für das Immunsystem? Sollte es etwa daran liegen, dass es in der gesamten Schulmedizin kein einziges Medikament gibt, welches das Immunsystem fördert? Ich bin sicher, wenn es ein solches patentierbares Medikament gäbe, dann wären die Apotheken leer gekauft, der Aktienkurs der Pharma-Firma würde explodieren, die Krankenkassen würden sofort die Kosten übernehmen.

Aber ein solches Medikament gibt es nicht. Es gibt aber Nährstoffe, von denen wir wissen, dass sie das Immunsystem stimulieren bzw. regulieren. Ich möchte jetzt gar nicht auf alle eingehen, aber eine gute Versorgung mit Vitamin D und C, Selen und Zink – am besten optimiert nach Spiegelmessung (außer Vitamin C, hier nicht messen, sondern nehmen) – kann uns vor Infekten schützen. Dazu gibt es überzeugende Studien und sogar positive Meta-Analysen.

Vor kurzem bin ich aber gefragt worden, ob denn Omega-3 auch vor Virusinfekten schütze. Da muss ich zugeben, dass ich erst einmal auf dem Schlauch gestanden habe. Ich weiß natürlich, dass Omega-3 besonders bei den Überreaktionen des Immunsystems eine segensreiche Bremse für das zu starke Immunsystem darstellt, z.B. bei allen Autoimmunkrankheiten wie Asthma, Rheuma, Neurodermitis, Hashimoto oder MS.

Ich kenne auch Reviews, die in Grundlagenstudien eindeutig darstellen, dass Omega-3 eine regulierende Wirkung aufweist, also ein zu schwaches Immunsystem wird gestärkt, ein überschießendes Immunsystem wird herunterreguliert. Auf folgender Seite finden Sie eine Unmenge an Informationen und Grundlagenstudien:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6834330/

Ein wenig muss ich vor dieser Publikation warnen. Das ist wirklich nur für jemanden, der dicke Bretter bohren will und sich nicht vor viel Wissenschaft fürchtet. Mir selbst sind ja immer die klinischen Studien wichtiger: Kann ich die Entstehung und das Fortschreiten von Krankheit, die Lebensqualität und/oder die Sterblichkeit beeinflussen, wenn ich einen Stoff dazu gebe oder einen Risikofaktor wegnehme?

Und eine solche Studie war mir bisher zu Omega und viralen Infekten nicht bekannt, aber mit etwas Suchen bin ich fündig geworden:
Awadin WF, Eladl AH, El-Shafei RA, El-Adl MA, Aziza AE, Ali HS, Saif MA: Effect of omega-3 rich diet on the response of Japanese quails (Coturnix coturnix japonica) infected with Newcastle disease virus or avian influenza virus H9N2. Comp Biochem Physiol C Toxicol Pharmacol. 2020 Feb;228:108668. doi: 10.1016/j.cbpc.2019.108668. Epub 2019 Nov 9.

Zugegeben, ein Tierversuch, kein Experiment am Menschen. Vor einem Monat erschienen, aktueller geht es nicht. Ok, ich wusste jetzt auch nicht, was quails sind und auch der lateinische Name Coturnix coturnix japonica half mir nicht wirklich weiter. Aber google translate wusste es natürlich: Es handelt sich um japanische Wachteln!

Was hat man also getan? 100 Wachteln wurden im Alter von 40 Tagen in 5 Gruppen eingeteilt.

Gruppe 1: war die Kontrollgruppe

Gruppe 2: wurde mit Newcastle Disease Virus infiziert

Gruppe 3: ebenfalls, erhielt aber zusätzlich Omega-3

Gruppe 4: wurde mit Influenza H9N2 Virus infiziert

Gruppe 5: ebenfalls, erhielt aber zusätzlich Omega-3

Nach 28 Tagen wurde der Gewichtszuwachs gemessen und dies sind die Resultate:

Gruppe 1 (Kontrolle): 58 %

Gruppe 2 (Newcastle): 29 %

Gruppe 3 (Newcastle plus O3): 39 %

Gruppe 4 (Influenza): 65 %

Gruppe 5 (Influenza plus O3): 79 %

Wir sehen: Unter Newcastle wurde der Gewichtszuwachs im Vergleich zur Kontrolle halbiert, also gediehen die Wachteln nicht so gut. Unter Omega-3 wurde dieser mangelnde Gewichtszuwachs zwar nicht völlig aufgehoben, aber vermindert. In den Influenza-Gruppen gab es interessanterweise kein vermindertes Gedeihen.

Wie reagiert das Immunsystem? Bei einem guten Immunsystem gibt es eine gute Antikörper-Reaktion. Je mehr Antikörper unter einer Impfung oder einer Infektion entstehen, umso besser:

Gruppe 1 (Kontrolle): 0

Gruppe 2 (Newcastle): 4,2

Gruppe 3 (Newcastle plus O3): 5,2

Gruppe 4 (Influenza): 7,2

Gruppe 5 (Influenza plus O3): 8,3

Wir sehen: Die Kontrollgruppe hatte natürlich gar keinen Anstieg, weil die Wachteln ja nicht infiziert waren. In den Newcastle-Gruppen gab es unter Omega-3 ganze 24 % mehr Antikörper gegen Newscastle, in den Influenza-Gruppen immerhin noch 15 % gegen H9N2. Omega-3 hat also quasi eine Immun-Booster-Funktion, die gar nicht zu unterschätzen ist.

Und dennoch: Gewichtszunahme und Anti-Körper-Reaktion sind nur Surrogat-Parameter. Wichtige klinische Parameter sind etwa Häufigkeit des Auftretens einer Krankheit, Schwere der Symptomatik oder Dauer der Erkrankung. Der allerhärteste klinische Parameter heißt Leben oder Tod! Auch der wurde gemessen und hier sind die Ergebnisse bezüglich der Mortalität, wie es wissenschaftlich korrekt heißt:

Gruppe 1 (Kontrolle): 0 %

Gruppe 2 (Newcastle): 45 %

Gruppe 3 (Newcastle plus O3): 20 %

Gruppe 4 (Influenza): 15 %

Gruppe 5 (Influenza plus O3): 0 %

Fast die Hälfte der Wachteln ist also am Newcastle Virus gestorben und immerhin noch jede Siebte an Influenza. Unter Omega-3 konnte die Mortalität um 56 % bei Newcastle und um 100 % bei Influenza gesenkt werden. Das ist schon sehr erstaunlich.

Sind die Ergebnisse ohne weiteres auf den Menschen und Corona übertragbar? Natürlich nicht. Wir wissen nicht, ob das Immunsystem des Menschen genauso reagiert. Wir wissen nicht, ob die Reaktionen bei Corona ähnlich ausfallen wie bei Newcastle und bei Influenza (und hier wurde auch noch ein bestimmtes Influenza-Virus gemessen). Aber das Immunsystem der Wachtel ist prinzipiell von dem des Menschen nicht so weit entfernt und die Abwehrmechanismen des Immunsystems sind prinzipiell unabhängig von der Art des Virus. Wir haben hier also Hinweise auf einen möglichen Schutz unseres Immunsystems vor Virusinfektionen, warum nicht auch bei Corona? Bis es gute Studien beim Menschen gibt, kann es noch dauern und bis dahin machen wir sicher überhaupt nichts falsch, wenn wir neben einer guten Versorgung mit Vitamin D und C, Selen und Zink für unser Immunsystem auch für eine gute Zufuhr mit EPA/DHA sorgen – ohne Messung 2 g, mit Messung je nach individuellem Wert 1-4 g täglich.

Bleiben Sie gesund!

Dr. Volker Schmiedel

P.S.: Ganz unten finden Sie Bezugsquellen, wenn Sie sich dafür interessieren.

Studie des Monats

Schützen MS-Medikamente vor Behinderung?

Filippini G, Del Giovane C, Vacchi L et al: Immunomodulators and immunosuppressants for multiple sclerosis: a network meta-analysis. Cochrane Database Syst Rev. 2013 Jun 6;(6):CD008933. doi: 10.1002/14651858.CD008933.pub2.

Aus gegebenem Anlass (siehe Glosse mit Dr. Querulantius) habe ich mir heute keine Studie sondern sogar eine Meta-Analyse zur medikamentösen Behandlung der Multiplen Sklerose vorgenommen. Dabei wurden 11 verschiedene Immunmodulatoren/suppressiva auf den Einfluss auf Schübe, Behinderung und eine Risiko-Nutzen-Analyse untersucht. Dabei wurden 44 Studien mit 17.401 Teilnehmern eingeschlossen. Die Analyse wurde von der Cochrane-Collaboration vorgenommen. Dort sind quasi die Gralshüter der evidence based medicine vertreten, also der beweisgestützten Medizin. Unabhängig von ideologischen oder wirtschaftlichen Interessen nimmt die Cochrane-Collaboration für sich in Anspruch, nach reinen statistischen, wissenschaftlichen Kriterien zu urteilen. Wenn eine Therapie die Nagelprobe durch die Cochrane-Collaboration besteht, dann darf sie mit Fug und Recht als wirksam bezeichnet werden – und wenn nicht, dann sollte man sich gut überlegen, ob man diese Therapie für sich anwendet.

Die Analyse ist über 100 Seiten lang, es war also eine Herkulesaufgabe, diese alle zu studieren. Der praktisch tätige Arzt hat normalerweise nicht die Zeit, eine so lange Arbeit genau zu studieren. Ich habe es getan, weil mich das einfach interessiert, die genauen Fakten zu checken. Und dies ist mir aufgefallen:

Die Autoren merken an: “The relapse outcome for RRMS at three years‘ follow-up was not reported by any of the included trials.” Anmerkung: RRMS bedeutet schubförmige MS. Alle Studien, die zwei Jahre lang liefen, wurden publiziert. Es gab auch Studien, die länger liefen, diese wurden aber nicht veröffentlicht. OK. Wieso das denn nicht??? Da mag sich jeder sein Teil denken. Auf jeden Fall ist es merkwürdig, dass es Studien gibt, die nicht veröffentlicht werden. In der Regel werden von Pharma-Firmen Studien nicht veröffentlicht, wenn sie kein für die Pharma-Firma und deren Medikament positives Ergebnis gezeigt haben.

Hier die Ergebnisse auf die Schubminderung:

  • Natalizumab -71 %
  • IFNß-1a (Rebif) -56 %
  • Mitoxantrone -57 %
  • Glatiramer -52 %
  • IFNß-1b (Betaseron) -51 %

Fazit: Diese Therapien sind sehr effektiv in der Verminderung von Schüben! Normalerweise bekommen MS-Patienten mit schubförmiger Variante in der Regel etwa einen Schub pro Jahr. Bei Anwendung mit diesen Präparaten wird also im Durchschnitt etwa jeder zweite Schub verhindert. Manche Patienten profitieren überhaupt nicht, manche haben auch überhaupt keine Schübe mehr, aber im Durchschnitt wird eben jeder zweite Schub verhindert, d.h. man kann einen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt mit Cortison-Therapie vermeiden. Statt jedes Jahr muss der MS-Patient im Durchschnitt nur alle 2 Jahre in die Klinik. Immerhin. Die Nebenwirkungen der Medikamente muss man natürlich dagegen rechnen.

Die Patienten gehen natürlich davon aus, dass weniger Behinderung auftritt, wenn es zu weniger Schüben kommt. Diese Annahme ist ebenso plausibel wie sie leider falsch ist. Jede Annahme in der Medizin – so plausibel sie auch sein mag – muss erst noch verifiziert werden. Das haben die Statistiker der Cochran-Collaboration auch getan. Sie fragten, wie häufig bei den Patienten innerhalb von 2 Jahren irgendeine neue Behinderung aufgetreten ist – oder auch nicht.

Ergebnis: Bei der schubförmigen MS konnte nur durch zwei Medikamente das Neuauftreten von Behinderungen reduziert werden:

Ergebnisse auf die Behinderung:

  • Natalizumab -14 %
  • IFNß-1a (Rebif) -10 %

Das bedeutet aber auch, dass keine einzige der anderen Substanzen in der Lage ist, die doch von ihnen erwarteten Minderungen von Behinderung zu erfüllen. Keine andere! Und selbst die beiden „erfolgreichen“ Substanzen weisen im Gegensatz zur deutlichen Schubminderung nur recht bescheidene Erfolge bei den Behinderungen auf. Nebenbei: Bei der nicht-schubförmigen, der chronisch-progredienten MS ist kein einziges Medikament in der Lage, Behinderung auch nur minimal zu verhindern. Die Behinderungen treten genauso schnell auf – ob ich diese Medikamente nehme oder nicht.

Die Autoren schreiben selbst dazu: “Moderate quality evidence supports a protective effect of natalizumab and IFNß-1a (Rebif) against disability progression in RRMS in the short-term compared to placebo. These treatments are associated with long-term serious adverse events and their benefit-risk balance might be unfavourable.” Das heißt, diese beiden MS-Medikamente sind zwar die einzigen, die einen minimalen Effekt auf Behinderungen haben, sind aber mit so schweren Langzeit-Nebenwirkungen verbunden, dass sie ein ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis aufweisen.

Noch einmal zum Mitschreiben die Ergebnisse der Cochrane-Analyse:

  • Die meisten MS-Medikamente bewirken eine gute Schubreduktion.
  • Nur zwei haben einen sehr mäßigen Effekt auf die Progression von Behinderung.
  • Wegen schwerwiegender Nebenwirkungen haben gerade diese aber eine unvorteilhafte Nutzen-Risiko-Bewertung.
  • Alle anderen MS-Präparate haben keinen Nutzen auf die Behinderung bei schubförmigem Verlauf.
  • Keine einzige Substanz hat einen Nutzen auf die Behinderung bei chronisch progredienter MS.
  • Studien über den Nutzen für einen Zeitraum von mehr als 2 Jahren existieren gar nicht bzw. wurden nicht publiziert.

Es tut mir sehr leid, dass ich nichts günstigeres über die MS-Medikamente berichten kann, aber das sind nun einmal die Ergebnisse der Meta-Analyse, die üblicherweise die Grundlage für das therapeutischen Handeln in der Medizin darstellen. Warum ich sage „üblicherweise“, können Sie in der nachfolgenden Glosse nachlesen.

Mit herzlichen und süßen Wünschen
Ihr Dr. Volker Schmiedel

Buchtipp des Monats

Leseprobe beim Klicken auf das Buch

Prof. Jelinek schreibt dieses Buch nicht nur als Arzt, sondern auch als Betroffener. Als er nach einigen Jahren schulmedizinischer Behandlung erkannte, dass er hierunter keinerlei Verbesserung spürte, ja noch nicht einmal die Schübe und das Fortschreiten der Erkrankung aufgehalten wurde, entwickelte er sein eigenes Programm mit einer massiven Veränderung des Lebensstiles, welcher Ernährung, Bewegung und veränderte Einstellungen beinhaltete.

Er empfiehlt außerdem Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren. Einzige Wermutstropfen: Er macht keinen Unterschied zwischen Leinöl und maritimen Omega-3-Fettsäuren. Er warnt meines Erachtens auch nicht ausreichend vor den Belastungen der Fische mit Toxinen, von denen gerade viele eine neurotoxische Wirkung aufweisen. Und er erwähnt leider auch keine Fettsäureanalyse. Also abgesehen davon, dass ich bei MS sehr wenig oder gar keinen Meeresfisch, dafür aber mindestens 2 g EPA/DHA empfehle (am besten optimiert nach Fettsäureanalyse) und Leinöl zusätzlich, aber nicht anstelle eines hochwertigen, unbelasteten Fisch- oder Algenöls nahelege, finde ich das Buch ein absolutes must have für alle MS-Patienten und deren Angehörige!

Zum Buch

 

 aufgeschnappt und kommentiert

Multiple Sklerose – Früher Therapiebeginn mildert den Verlauf

Dr. med. Quintus Querulantius merkt hierzu an: Mit diesem Titel erschien vor kurzem ein Artikel ausgerechnet in einer naturheilkundlichen Zeitschrift. Der Autor, ein Neurologe, wurde nicht müde, von den Vorzügen der MS-Medikamente zu schwärmen. Er verstieg sich sogar zur Aussage: „Wird keine Immunmodulation durchgeführt, dann führt das statistisch nachweislich im Verlauf zu einem rascheren Fortschritt der Behinderung.“ Das war mir neu. Im Buch von Jelinek (s.o.) sind Studien aufgeführt, die das Gegenteil belegen. Nun hatte ich das Buch vor 3 Jahren gelesen. Vielleicht gibt es mittlerweile neue Erkenntnisse.

Doch bevor ich davon berichte, möchte ich zuvor noch etwas auf die Begrifflichkeit eingehen. Viele der MS-Medikamente sind so genannte Biologika. Das hört sich doch sehr schön an, fast nach Naturheilkunde. Dazu muss man wissen, was Biologika oder auf neudeutsch biologicals (sprich: Beiolotschikels) eigentlich sind: Es sind Arzneistoffe, die mittels Biotechnologie mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen herstellt werden. Dabei handelt es sich beispielsweise um Hormone wie Interferone oder Interleukine oder Antikörper, die sich gegen Bestandteile des Immunsystems richten und diese vernichten. Waffen unseres Immunsystems werden mit anderen Waffen angegriffen. Dies wird dann als Immunmodulation bezeichnet. Richtiger wäre Immunsuppression, aber Modulation (= gestaltende Abwandlung) klingt natürlich viel besser als Suppression (= Unterdrückung). Vitamin D wirkt beispielsweise immunmodulierend – ein schwaches Immunsystem wird gestärkt, ein überschießendes Immunsystem wird herunterreguliert. Das machen aber die so genannten Immunmodulatoren überhaupt nicht, sie kennen nur eine Richtung: Das Immunsystem soll geschwächt werden. Dabei sind – im Gegensatz zu Vitamin D – aber auch Beeinflussungen möglich, die nicht so erwünscht sind. Sehr häufig, also mehr als 10 %, kommt es zu Verminderungen der weißen Blutkörperchen, den Polizisten unseres Immunsystems. Aber auch Entzündungen sind möglich, z.B. Schilddrüsenentzündung oder Hepatitis, die sogar bis zum Leberversagen führen kann (steht alles so im Beipackzettel). Solche Medikamente Biologika und Immunmodulatoren zu nennen, ist genauso euphemistisch wie ein Atommülllager als Entsorgungspark oder eine Rakete mit einem Atomsprengkopf als Peacekeeper zu bezeichnen!

Zurück zum Artikel in der naturheilkundlichen Zeitung. Ich habe Kontakt mit dem Autor aufgenommen und ihn gefragt, ob es denn zu seiner Aussage wissenschaftliche Belege gebe. Daraufhin stellte er mir sehr rasch einen Link zur oben ausführlich dargestellten Meta-Analyse zur Verfügung, wofür ich ihm wirklich dankbar bin. Als ich mir dann die Meta-Analyse durchgelesen habe, hat mich aber das kalte Entsetzen gepackt. Das war ja genau das Gegenteil dessen, was der Neurologe behauptete. Dort stand: MS-Medikamente schützen bei progredienter MS überhaupt nicht vor Behinderung. Die MS-Medikamente vermindern zwar bei schubförmiger MS die Schübe, aber schützen auch nicht vor Behinderung. Ausnahme: Zwei Medikamente mit einer so bescheidenen Wirkung, dass selbst die Cochrane-Autoren schreiben, dass die Anwendung angesichts der schweren Langzeitnebenwirkungen bezüglich einer Nutzen-Risiko-Abwägung unvorteilhaft wäre („unvorteilhaft“ ist eine vorsichtige Umschreibung für „Lasst ums Himmels willen diesen Scheiß!“, aber es sind ja seriöse Wissenschaftler und die müssen schon auf zurückhaltende Formulierungen achten, ich glaube aber kaum, dass einer der Cochrane-Wissenschaftler ein solches Medikament selbst nehmen würde).

Vor einer Behandlung – gerade wenn sie so schwerwiegende Folgen wie die Behandlung mit solchen MS-Medikamenten haben kann – muss der Patient ausführlich über Nutzen und Risiken der Therapie aufgeklärt werden. Ich wage zu behaupten, dass die oben dargestellten Fakten den betroffenen MS-Patienten in der Regel nicht mitgeteilt werden – jedenfalls wurde keiner meiner MS-Patienten darüber informiert.

Der Nutzen: Er muss statt zweimal in 2 Jahren im Durchschnitt nur noch einmal in 2 Jahren ins Krankenhaus wegen einer mehrtägigen Cortison-Therapie im akuten Schub.

Der Schaden: Teilweise erhebliche Nebenwirkungen, die nicht auf eine Seite passen würden. Ständiges Grippegefühl und Neigung zu Depressivität sind recht häufige Nebenwirkungen. Die Nebenwirkungen unterscheiden sich in Art und Ausmaß und von Medikament zu Medikament und von Patient zu Patient teilweise erheblich.

Und bei der chronischer Form ist gar kein Nutzen erkennbar. Welcher MS-Patient würde sich dann überhaupt noch zu einer Behandlung durchringen?

Warum geht denn die Progression der Behinderung weiter, obwohl doch Schübe vermindert werden? Sie kennen vielleicht den Spruch: „Man wird nicht zwischen Weihnachten und Neujahr dick, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten.“ Ähnlich ist es bei der MS: „Die Myelinscheiden der Nervenzellen werden nicht (nur) im Schub zerstört, sondern (auch) zwischen den Schüben.“ Die Entzündung geht nämlich weiter, auch wenn diese nicht gespürt wird. Und viele MS-Patienten spüren sie sogar. Erschöpfung ist ein Kardinal-Symptom bei MS – und bei jedem grippalem Infekt sind wir auch erschöpft. Wir müssen also etwas gegen die Entzündung zwischen den Schüben tun. Und nach allem, was wir bisher wissen, versagen die MS-Medikamente hier total.

Nach den vorliegenden Daten müsste die gesamte neurologische MS-Therapie komplett überdacht werden. Auch Gesundheitspolitiker und Kassenfunktionäre müssten eigentlich die Zulassung oder zumindest die Kostenerstattung durch die Kassen in Frage stellen. Warum? Die MS-Medikamente haben zwar eine Wirkung, aber keine Wirksamkeit. Sie haben zwar die Wirkung, dass Schübe reduziert werden, aber pardon, wen interessiert das denn? Entscheidend ist die Wirksamkeit gegen Behinderung. Würde man MS-Patienten fragen, so wäre es vermutlich genau das, was diese interessiert: „Ich will später oder am besten gar nicht im Rollstuhl sitzen.“ Ich behaupte, ob ein Schub alle ein oder zwei Jahre auftritt, das juckt doch niemanden wirklich im Vergleich zur Gefahr durch massive Behinderung.

Wenn das alles bekannt ist, warum werden diese Mittel überhaupt noch erstattet? Ganz einfach:

  • Die Medizin hat nichts anderes. Diese Mittel wegen nachgewiesenen Versagens in der Verhinderung von Behinderung aus dem Therapieregime herauszunehmen, hieße: „Wir können gar nichts für Euch tun!“ Diesen Gesichtsverlust kann sich die Neurologie nicht leisten.
  • Es wäre außerdem ein Eingeständnis von Schuld: „Wir haben Euch jahrelang Mittel ohne Wirksamkeit verkauft.“ Das möchte keiner gerne.
  • Wäre denn nicht wenigstens das Einsparen von Kosten ein Argument? Die jährlichen Therapiekosten betragen immerhin eine fünfstellige Summe pro Patient. Insgesamt sind es Milliardenbeträge. Das könnte man doch im Gesundheitswesen woanders sinnvoller verwenden. Nein, gerade das führt dazu, dass diese unsinnigen Kosten noch viele Jahre bezahlt werden. Es hängt einfach zu viel schöner Profit daran. Pharmafirmen, die richtig daran verdienen. Professoren, die für teure Studien und „informative“ Vorträge (die entscheidenden Informationen aus der Cochrane-Analyse werden unterschlagen) lukrative Honorare erhalten. Und Neurologen, die einen guten Teil ihrer Arbeit mit der Überzeugung und der Führung von MS-Patienten mit MS-Medikamenten verbringen. Das wollen wir uns doch nicht kaputtmachen lassen – auch wenn die wissenschaftlichen Erkenntnisse dies nahelegen.

Kommen wir zurück zu unserem Neurologen mit der unhaltbaren Aussage, mit einer frühen Therapie mit MS-Medikamenten könne man Behinderung bei MS aufhalten. Hat er die Leser der naturheilkundlichen Zeitschrift bewusst angelogen? Auch wenn ich von der inhaltlichen Aussage her überhaupt nicht seiner Meinung bin, muss ich jetzt eine Lanze für ihn brechen. Ich bin sicher, dass er nicht bewusst gelogen hat. Ich bin sogar fest davon überzeugt, dass er seinen eigenen Aussagen glaubt und diese auch voller Überzeugung bei seinen Patienten so vertritt.

Wie kommt es aber zur Diskrepanz seiner Empfehlung im Artikel mit den Ergebnissen der Meta-Analyse, die er mir sogar als Beweis für seine Aussagen vorgelegt hat? Wir nennen das „selektive Wahrnehmung“. Vereinfacht ausgedrückt: Wir sehen nur das, was wir sehen wollen. Und in unser Weltbild passt und dieses zementiert. Er hat vermutlich nur den abstract der Meta-Analyse gelesen, also die Zusammenfassung zu Beginn. Ich spekuliere jetzt mal, aber die 137 Seiten den gesamten Textes hat er bestimmt nicht studiert, sonst müsste er zu anderen Schlüssen gekommen sein. Und im abstract steht doch: MS-Medikamente vermindern Behinderung. Das hat ihm gereicht, um das, was er täglich praktiziert, wissenschaftlich bestätigt zu bekommen. Dann wird alles Störende eben ausgeblendet:

  • Dass das nur für zwei Medikamente galt, für alle anderen nicht.
  • Dass die Effekte auf Behinderung selbst bei diesen beiden äußerst bescheiden sind.
  • Dass gerade diese beiden Mittel wegen Nebenwirkungen eher nicht genommen werden sollen.
  • Dass alle Medikamente bei nicht-schubförmiger MS überhaupt nicht die Behinderung beeinflussen.
  • Dass es keine Studien über einen längeren Zeitraum als zwei Jahre gibt bzw. diese nicht veröffentlicht wurden (warum denn nicht?).

All dies wurde ausgeblendet, weil es doch das eigene, schöne Weltbild kaputtmacht. Und weil es natürlich auch die eigene Arbeit in Frage gestellt. Wer möchte das schon? Wir alle sind nicht von solcher „selektiver Wahrnehmung“ geschützt.

Auch in der Naturheilkunde sind wir davor keineswegs gefeit. Auch hier haben wir vermutlich viele „Leichen im Keller“, wo mit voller Inbrunst bestimmte Diagnostik- oder Therapieverfahren vertreten werden, wo es nicht den Hauch eines Beweises gibt – und die Therapeuten Erfolge sehen, weil sie sehen wollen. In der Naturheilkunde ist die wissenschaftliche Datenlage aber in der Regel sehr spärlich und wir haben für Vieles einfach gar keine wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen. Bei der MS haben wir inzwischen eine doch eindeutige Datenlage, die das aktuelle Procedere bei MS aber überhaupt nicht unterstützt.

Jeder Betroffene hat jedoch die Möglichkeit unter Berücksichtigung der ihm vorliegenden Informationen selbst zu entscheiden, welches Vorgehen er in seinem eigenen Fall für angemessen hält. Im nächsten Newsletter werde ich einige naturheilkundliche Alternativen bezüglich Lebensstil und Medikamenten aufzeigen, die bei allen Autoimmunkrankheiten, im Besonderen aber bei MS zutreffen.

Herzliche Grüße
Ihr Dr. med. Quintus Querulantius

P.S.: Vor wenigen Tagen habe ich eine Empfehlung der Schweizer MS-Gesellschaft gelesen, die mich nicht erstaunt, aber dennoch erschüttert hat. Dort wurde empfohlen, derzeit auf eine Neueinstellung auf viele MS-Medikamente zu verzichten, weil diese das Immunsystem schwächen, was angesichts von Corona derzeit nicht zu befürworten ist. Was sollten aber diejenigen tun, die schon solche Medikamente erhalten? Sie sollten wie eine Hoch-Risiko-Person behandelt werden und sich selbst in eine freiwillige Quarantäne begeben. Das ist halt der Preis, den MS-Patienten leider für die Einnahme solcher Medikamente bezahlen müssen. Sie sind eben nicht immunmodulierend, sondern immunsuppressiv – sie unterdrücken unser normal funktionierendes Immunsystem auf eine Weise, die in Corona-Zeiten lebensgefährlich werden kann. Wer noch nicht wusste, dass man die Einnahme solcher Medikamente mindestens dreimal überdenken sollten – spätestens jetzt weiß er es.

style=“text-align: center;“>aufgeschnappt und kommentiert

Produktempfehlungen

Weil ich nach dem Erscheinen von Newslettern immer wieder von Usern nach konkreten Produktempfehlungen gefragt werde und ich einfach nicht mehr die Zeit habe, jedem einzeln zu antworten, führe ich hier einige Produkte auf, die ich von der Qualität und vom Preis-Leistungs-Verhältnis gut finde und die leicht online beschafft werden können. Es gibt natürlich viele andere gute Produkte, die damit keinesfalls diskreditiert werden sollen, aber diese gehören im Moment zu meinen Favoriten:

  • Vitamin D 5000 IE täglich für den Erwachsenen (bei Kindern je nach Gewicht jeden 2. Oder 3. Tag, bei Kleinkindern evtl. nur 1000 IE): Lipovitamin forte 5000 oder Lipovitamine 1000 von Natugena
  • Zink ca. 15 mg und Selen ca. 110 µg: Zink & Selen von Natugena
  • Vitamin C 1-2 g: Vitamin C 3×1 Kapsel von Natugena als Vitamin C-Ester mit Polyphenolen
  • Omega-3 ca. 2 g: Z.B. Omega-3 Total (Fischöl) oder Omega-3 Vegan (Algenöl) als Öl oder als Kapseln von www.norsan.de oder bei Natugena.